Pressemitteilung: Welterbeinitiative Lausitzer Tagebaufolgelandschaft

06.12.23: Die Kulturministerkonferenz schließt sich der Empfehlung des internationalen Fachbeirates an und äußert sich positiv zur „beeindruckende[n] Menge an Informationen“ zur Lausitzer Tagebaufolgelandschaft. Sie hält fest, dass der Antrag „interessante neue Ideen für die Erhaltung und Pflege von sich entwickelnden Kulturlandschaften und Zeugnissen der Industriekultur“ aufweise. Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Vorschlag jedoch noch nicht ausgereift für eine Aufnahme auf die deutsche Tentativliste.

Am 04.12.2023 hatte das lange Warten ein Ende: Die Kulturministerkonferenz veröffentlichte knapp zwei Jahre nach Einreichung der insgesamt 21 Kandidaten aus 13 Bundesländern endlich die überarbeitete deutsche Tentativliste für UNESCO-Welterbe und nahm unter anderem die Waldsiedlung Zehlendorf als Erweiterung der Welterbestätte ‚Siedlungen der Berliner Moderne‘ (Berlin), das Pretziener Wehr (Sachsen-Anhalt) und den Olympiapark München (Bayern) auf. Wenn der Lausitzer Vorschlag es auch im ersten Anlauf nicht auf die Tentativliste geschafft hat, so gab der vorgelegte Abschlussbericht des Expertenrates klare Hinweise, wo das Team um die Lausitzer Welterbeinitiative zukünftig ansetzen kann. Das Projektteam der Welterbeinitiative, bestehend aus dem Institute for Heritage Management (IHM), dem Institut für Neue Industriekultur (INIK), dem Sorbischen Institut/Serbski institut (SI), der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und dem Tourismusverband Lausitzer Seenland, möchte sich der Kritik des Beirates annehmen und die Lausitz weiter auf Kurs halten für eine Anerkennung ihres besonderen Wertes. Hierzu gehöre es auch, sich Gedanken zu machen, welche alternativen Wege die Region gehen könne, um dieses besondere Erbe in den nächsten Jahren noch stärker in den Fokus zu rücken. Während wir weiterhin ihr Potenzial als UNESCO Welterbe durch Reflektion der Kritikpunkte des Fachbeirates hinterfragen, werden gleichzeitig alternative internationale Auszeichnungen, wie das Europäische Kulturerbe-Siegel erwogen.

Die Projektpartner sehen in der Entscheidung eine große Chance, um bestehende Lücken im bisherigen Konzept zu schließen und die Initiative noch stärker in der Lausitz zu verankern: „Es ist eine Entscheidung für und nicht gegen das Potenzial der Lausitzer Transformationslandschaft als anerkanntes Kulturerbe der Region“, so Prof. Dr. Michael Schmidt, Sprecher des Förderbündnisses Land-Innovation-Lausitz. „Die Entscheidung der Kultur-MK gibt der Region Zeit, um Fragen des Schutzstatus, der Verträglichkeit mit erneuerbaren Energieformen und weitere durch den Strukturwandel aufgeworfene Diskussionen rund um die Tagebaufolge zu klären.“

Unabhängig von der Entscheidung wird das derzeitige Projekt „Strategie- und Managemententwicklung für die Welterbeinitiative der Lausitzer Tagebaufolgelandschaft“ (LIL-SME), welches im Rahmen der Initiative Land-Innovation-Lausitz vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, noch bis Ende Februar 2025 fortgesetzt. Die Anmerkungen der Kultur-MK und des beratenden Fachbeirats werden in die Arbeiten des Projektteams miteinfließen.

Das Projektteam betont explizit, dass die identifizierte Einzigartigkeit der Tagebaufolgelandschaft nicht vom Erfolg der Welterbeinitiative abhängig ist. Das über den gesamten Projektverlauf gesammelte Wissen kann unabhängig davon im Strukturwandelprozess genutzt werden und auch in Zukunft die Regionalentwicklung der Lausitz nachhaltig beeinflussen. „Die Welterbeinitiative“, so die Projektkoordinatorin Lea Brönner vom Cottbusser IHM, „ist allem voran eine Einladung an die Lausitzerinnen und Lausitzer, das eigene Bild der Lausitz zu hinterfragen und die Tagebaufolgelandschaft als Besonderheit der Region anzuerkennen, um sie aktiv für die Gestaltung der eigenen Zukunft in der Lausitz zu nutzen.“

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